Es gibt wohl kaum ein Berufsfeld, das selbst in der heutigen digitalisierten Welt noch besser analog funktioniert als die Landwirtschaft, ferner natürlich auch Gärtnerei und Forstarbeit. Der Pflug arbeitet auch ohne GPS nach altbekanntem Prinzip, das Berechnen von Saatgutmengen geht auch auf einem Blatt Papier. Und der Motor des wichtigsten Zugpferdes arbeitet ebenfalls, ohne vernetzt zu sein – auch wenn im modernen Traktor natürlich eine enorme Menge Elektronik steckt.

Tatsache ist jedoch, dass diese drei Beispiele sowie noch unzählige mehr durch das Internet eine enorme Aufwertung erleben. Denn das Netz ist eben nicht nur ein Ort, an dem man sich auf Sozialen Netzwerken verbindet oder sich ulkige Videos anschaut. Es ist, richtig eingesetzt, ein wahrhaft machtvolles Tool, welches das gesamte landwirtschaftliche Drumherum verbessert, effektiver, einfacher, berechenbarer macht.

Doch wie setzt man es auf diese Weise ein?

Internetaffin, aber nicht genug

Dabei muss man die deutschen Landwirte zunächst loben. Denn im internationalen Vergleich sind sie Weltspitze. Nur 13% waren bei einer Umfrage vor einigen Jahren nicht online, Tendenz sinkend.

Allerdings zeigen die Umfragen auch immer wieder ein deutliches Altersgefälle: Nur die jungen Landwirte nutzen das Netz vollumfänglich. Je älter, desto geringer ist auch die Netz-Nutzung, desto geringer die Vorteile, die daraus entstehen – und oft genug wirken hier auch diverse Ressentiments gegen das Netz.

Warum Bauern möglichst viel online sein sollten

Bei der älteren Generation liegt es oftmals daran, dass diese den Sinn oder besser das Potenzial des Netzes nicht erfassen. Folgende Punkte sollen verdeutlichen, in welcher Form man durch die Netz-Nutzung Vorteile erlangen kann:

  • Brandaktuelle Informationen über alles, das die Branche generell betrifft.
  • Zugang zu sehr regionalisierten Daten.
  • Möglichkeiten zur Vereinfachung der Arbeit, etwa die Buchhaltung des Hofes.
  • Schneller unbürokratischer Kontakt zu anderen Landwirten, Regierungsstellen, Herstellern.
  • Das Nutzen von speziell für die Landwirtschaft konzipierten Programmen und Apps.
  • Computerisierte Hilfe auf professionellem Niveau – etwa das Erkennen von Pflanzenzuständen.
  • Zugang zu Bildungsangeboten in allen möglichen Bereichen.

Letzen Endes ist das Internet auch für Landwirte der große Erklärer und Brückenbauer. Es liefert Informationen, die man sowieso grundsätzlich benötigt, auf die schnellste denkbare Weise. Darüber hinaus liefert es unzählige große und kleine Helfer, die das Führen eines Hofs erleichtern und effektiver machen.

Und ganz wichtig: Es ist unheimlich simpel. Wer in der Lage ist, einen modernen Traktor zu bedienen, am heimischen PC Tabellenführung zu betreiben, hat bereits alles, was es braucht, um sich das Internet untertan zu machen.

Das wichtigste: Ein landwirtschaftstaugliches Endgerät

Der Absatz ortsfester PCs und Laptops geht seit Jahren zurück. Und gerade für Landwirte sollten diese beiden Geräte nur eine Ergänzung für solche Digitalarbeiten sein, die einer festen Tastatur und eines großen Bildschirms bedürfen.

Um das Netz adäquat nutzen zu können, kommt man nicht an mobilen Geräten vorbei – schon deshalb, weil nur sie jederzeit und überall verfügbar sind.

Ob man sich dabei für ein Smartphone oder ein Tablet entscheidet, ist letztlich Geschmackssache – für Unterwegs ist ersteres ob der geringeren Größe sicherlich passender. Allerdings sollten die Geräte einige Tatsachen aufweisen:

  1. Sie sollten robust sein, sonst überleben sie den bäuerlichen Alltag nicht lange. Vornehmlich sollte man auf Details wie sogenanntes „Gorilla Glas“ und eine Zertifizierung nach IP68 achten. Hier gilt zwar die Handy-Sparte des Baumaschinenherstellers Caterpillar als bekannte Größe, jedoch haben auch andere Hersteller solche Geräte im Repertoire.
  2. Wenn man auf mehrere Geräte (etwa Smartphone und Tablet) setzt, sollten diese das gleiche Betriebssystem (entweder Android oder Apple iOS) besitzen und auf einen gemeinsamen Account registriert sein, um problemlos Daten untereinander tauschen zu können – was man dann beispielsweise auf dem Handy-Browser speichert, wird dann auch auf dem des Tablets abgelegt.
  3. Man sollte wegen der nach wie vor geringen Standfestigkeit der Akkus in eine sogenannte Powerbank investieren – ein großer, mobiler Akku, an dem man die Geräte auch jenseits von 230- und 12-Volt-Steckdose jederzeit aufladen kann.

Übrigens empfiehlt es sich auch, unter den Programmen, die serienmäßig auf den Geräten installiert sind, großzügig „auszumisten“. Vieles davon nutzt man nie, es belegt nur Speicherplatz.

Wichtige Seiten

Für Mobilgeräte gibt es vieles als App. Also als Programm, das auf dem Gerät installiert wird und das direktes Nutzen ermöglicht. Allerdings ist der Landwirtschaftsbereich spezifisch; nicht alles hat eine App. Man wird also nicht umhinkommen, im Browser Lesezeichen zu setzen, mit deren Hilfe man ohne Google-Suche direkt auf Seiten gelangt.

Mit diesen Seiten ist man schon gut aufgestellt. Allerdings sollte man natürlich kurzfristig und regelmäßig hineinschauen, um sie voll zu nutzen.

Apps für Landwirte

Ohne Apps wäre selbst das teuerste Cat S61 nur ein großes robustes Telefon mit Wärmebildkamera. Erst durch die kleinen Helfer werden Smartphones und Tablets wirklich zu den Allzweckwaffen, die das landwirtschaftliche Leben erleichtern. Und ob der Tatsache, dass Monat für Monat weit mehr als 5000 Apps aller Bereiche in den jeweiligen App-Stores hinzukommen, ist klar, dass dabei auch viel für den Landwirt dabei ist.

(Nach Möglichkeit verlinken wir sowohl zur jeweiligen Android- wie iOS-Version einer App. Wo es die jeweilige App nur für ein Betriebssystem gibt, fehlt der entsprechende Eintrag).

  • Agar Bestimmer, der Schädlinge, Krankheiten und Unkräuter identifiziert und Behandlungsvorschläge gibt. (Android) (iOS)
  • Rechner für Landwirte. Ein Programm zur Berechnung vieler Faktoren (Android)
  • Raiffeisen24 mit mehreren Tools für landwirtschaftliche Arbeiten (Android) (iOS)
  • Agro Weather, speziell auf Landwirte zugeschnittene Wetter-App (Android)
  • Schnittholz Rechner für Berechnungen im Forstbereich (Android)
  • Holzbau, eine Tool-Sammlung für Zimmermannsarbeiten (Android 2,99€)
  • Nina, die Warn-App des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz (Android) (iOS)
  • Erste Hilfe, eine vom DRK konzipierte App mit exakten Handlungsanweisungen für Not- und Unfälle (Android 0,89€) (iOS 1,09€)

Überdies sollten Landwirte auch immer mal wieder in den App-Store ihrer Geräte hineinschauen und mit typischen Suchbegriffen spielen. Mittlerweile kann man mit Fug und Recht behaupten, dass es zu jedem Themenfeld eine passende App gibt.

Tipp: Bei vielen landwirtschaftlichen Geräten haben die Hersteller ebenfalls Apps dafür konstruiert und bieten sie beim Kauf der Geräte zum Download an. Das sollte man natürlich ebenfalls nutzen.

Fazit

Das Internet und seine Geräte sind, wenn man sie nur sinnvoll nutzt, starke Helfer für wirklich jeden Bereich der Landwirtschaft. Dies kleinzureden oder gar zu ignorieren wäre in der heutigen Zeit ähnlich falsch wie in früheren Zeiten am Ochsen gegenüber dem Traktor festzuhalten. Auch die Landwirtschaft wird immer digitaler und nur wer die Tatsache nutzt, bleibt am Ball und konkurrenzfähig.