Eine der größten Gefahren bei der Tierhaltung ist der Befall von Keimen, Schmarotzern und Parasiten. Um das Risiko von Keimen auf natürliche Weise zu reduzieren, ist das Kalken von Ställen eine gern verwendete und natürliche Weise. Nachfolgend informieren wir Sie, was das Kalken von Ställen bringt, wie es gemacht wird und was Sie dabei beachten sollten.

Was ist „Kalken“?

Das Kalken eines Stalles dient zum Desinfizieren. Hierdurch sollen Krankheitserreger beseitigt werden, um die Gesundheit der im Stall gehüteten Tiere zu schützen. Hierbei werden Boden und Wände mit Kalk bzw. Kalkmilch gestrichen. Dieser Vorgang wird auch „Weißeln“ genannt und sorgt, wie seit Generationen bekannt ist, auch zu einer besseren Stallluft.

Der primäre Nutzen ist die Verbesserung der Tiergesundheit. Denn Kalk hat eine desinfizierende Wirkung und schützt die Tiere vor Keimen, Parasiten und Co. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Neben dem Kalken der Stallwände, die wir weiter unten noch genauer beschreiben, kommt häufig auch eine Kalk-Stroh-Matratze zum Einsatz. Diese erhöht gerade im Kuhstall nicht nur den Liegekomfort, sondern schafft auch ein hygienisches Milieu für Euter und Klauengesundheit. Zudem macht der Kalk auch die Gülle fließfähiger und homogener und kommt mit seiner vollen Wirkungskraft auf das Feld. Bei einer Neuanlage einer Kalkstrohmatratze wird kohlensaurer Kalk in mikrofeiner Konsistenz (< 0,09 mm) mit Stroh 5 zu 1 mit 2 Teilen Wasser vermischt.

Der primäre Einsatz beim Stall kalken ist aber ein Anstrich mit Kalkfarbe der Wände und des Bodens des Stalles, also das Stall streichen mit Kalkfarbe für den Stall. Diesen Vorgang schildern wir Ihnen weiter unten und es ist nur eine der vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten von Kalk und Kalkfarben. Das Stall kalken ist unter anderem für Kuh- und Hühnerställe geeignet. Wie häufig das Nachkalken von Boden und Wänden notwendig ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dies sind vor allem die Beschaffenheit der Wände sowie die Haltbarkeit des vorherigen Anstrichs. In der Regel reicht es aus, einmal jährlich den Stall zu kalken. Blättert die alte Kalkschicht hingegen bereits ab bzw. wurde von den Tieren abgerieben, ist ein häufigeres Kalken des Stalles notwendig.

Die Vorteile des Kalkens von Ställen

  • Wirkt desinfizierend.
  • Sorgt für eine bessere Stallluft.
  • Kann die Gesundheit der Tiere verbessern.

Wie kalkt man richtig?

Nachfolgend schildern wir Ihnen, wie Sie einen Stall kalken. Es gibt es aber alternativ noch weitere Möglichkeiten, z. B. die Verwendung fertiger Kalkfarbe für den Stall. Haben Sie sich für die Verwendung von ungelöschtem Kalk entschieden, müssen Sie zunächst die gebrauchsfertige Lösung gemäß der Herstellerangaben ansetzen. Meist ist nach dem Anrühren noch eine Standzeit von mindestens 10 Stunden vorgegeben, sodass Sie dies in Ihrer Planung mit berücksichtigen sollten.

Zunächst müssen Sie den Branntkalk gemäß der Angaben des Herstellers mit Wasser anrühren. Achten Sie darauf, dass der Vorgang des „Kalklöschens“ mit einer starken Wärmeentwicklung einhergeht. Wundern Sie sich also nicht, wenn das zugeführte Wasser teilweise verdampft. Zudem vermeiden Sie Kontakt mit den Augen, da sowohl gelöschter als auch ungelöschter Kalk stark reizend ist und sogar zur Erblindung führen kann. Daher ist eine Schutzbrille beim Stall kalken Pflicht.

Welche Konsistenz die richtige ist, hängt von der Art der Verarbeitungsform ab. Möglich sind das streichen und spritzen von Wänden und Boden. Zudem ist auch der zu behandelnde Untergrund entscheidend. Je rauer dieser ist, desto besser haftet die Suspension auch daran. Allerdings muss dann auch dicker und häufiger aufgetragen werden, um alle Ritzen in Wänden und Boden zu füllen. Meist bieten mehrere dünn aufgetragene Anstriche (z. B. mit einem Pinsel oder einer Rolle) die beste Haltbarkeit, da ein dicker Anstrich meist dazu neigt, recht schnell wieder abzublättern. Hier sind aber auch Erfahrungswerte wichtig, da dies von Stall zu Stall unterschiedlich ausfallen kann.

Empfehlenswert ist es, den letzten Anstrich mit Quark zu vermischen. Dies erhöht die Abriebfestigkeit, da die Oberfläche härter und wischfester wird (Kalk-Casein-Reaktion). Auch das vorherige Wässern der Wand hat sich bewährt, um die Haltbarkeit zu erhöhen. Hierfür werden die Stallwände einfach zunächst mit klarem Wasser und einem Pinsel gestrichen. Mit dieser Maßnahme wird Kohlensäure in die Wand gebracht und der Karbonatisierungseffekt unterstützt. Erst danach kommt dann der Auftrag der Kalkfarbe.

Kalkfarbe: Worauf musst du bei der Auswahl des Kalks achten?

Beim Kalken von Ställen wird in der Regel entweder Löschkalk oder Branntkalk verwendet. Beide Varianten des Kalksteins sind ein Sedimentgestein, also ein durch Ablagerungen entstandenes Gestein. Der Hauptbestandteil ist der chemische Stoff Calciumcarbonat (CaCO3), der in Form von Mineralien vorliegt. Hierbei handelt es sich um eine Verbindung von Calcium, Kohlenstoff und Sauerstoff, wie anhand der Formel und etwas Chemiekenntnis zu erkennen ist. Umgangssprachlich wird das Calciumcarbonat eben auch kohlensaurer Kalk genannt. Weltweit werden jährlich mehr als 5 Milliarden Tonnen davon abgebaut. Hauptsächlich wird der Kalk in der Bauindustrie verwendet, aber auch bei der Bodendüngung, als Futterkalk, als Lebensmittelzusatzstoff und vielen weiteren industriellen Vorgängen ist er sehr beliebt.

Für die Verwendung zum Kalken von Ställen wird das Oxid oder Hydroxid des Calziums benötigt. Calciumoxid, auch ungelöschter Kalk, Branntkalk oder Ätzkalk genannt, ist ein weißes Pulver. Dieses wird durch das Kalkbrennen hergestellt. Wird Kalkstein auf Temperaturen von über 800 Grad Celsius erhitzt, führt dies zu einer Entsäuerung, bei der das Kohlendioxid ausgetrieben wird. Bei diesem Vorgang, der auch als Kalzinierung bezeichnet wird, entsteht Calciumoxid.

Wird diesem anschließend Wasser zugeführt, kommt es zu starker Wärmeentwicklung, bei der das Calciumoxid mit dem Wasser zu Calciumhydroxid reagiert. Das Ergebnis wird Löschkalk, auch gelöschter Kalk, Weißkalkhydrat, Kalkmilch oder Kalkwasser bezeichnet. Die ätzende Wirkung dieses Kalkes macht man sich schon seit vielen Generationen zunutze, um damit Ställe durch das Kalken zu desinfizieren und auf diese Weise Krankheitserreger zu abzutöten bzw. zu beseitigen.

Kalkfarbe: Anleitung für das Kalken von Ställen
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