Die Rinderzucht zählt seit je her zu den traditionellen Ausrichtungen der österreichischen wie auch europäischen Viehwirtschaft. Zahlreiche Rinderarten dominieren den Markt und vielerorts findet man für die Region typische Rinderarten, die als Grundlage für Milch- wie auch Fleisch produzierende Betriebe gehalten werden. Doch seit einigen Jahren sind es nicht mehr nur die klassischen Rinderarten wie das Fleckvieh oder das sogenannte Hausrind, die auf saftigen Weiden und in modernen Stallanlagen gehalten werden, nein auch für europäische Verhältnisse neue Rinderrassen wie das Wagyu Rind rücken aufgrund vorherrschender Trends und neuer Absatzmärkte mehr und mehr in den Fokus der europäischen Rinderzüchter und Landwirte.

Das Wagyu Rind – eine traditionell japanische Rinderrasse

Japanisches Rind

Wagyu Rinder sind auch als japanische Rinder bekannt und stammen ursprünglich aus Japan.
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Das sogenannte Wagyu Rind, welches allem voran des weltbekannten Kobefleisches Wegen längst internationale Bekanntheit erlangte, ist eine traditionell japanische Rinderrasse, die aufgrund in Japan vorherrschender Gesetze und traditioneller Einflüsse bis zum ausklingenden neunzehnten Jahrhundert als weitestgehend indigene Rinderrasse galt und vordergründig als Arbeitstier zum Einsatz kam.

Das Wagyu Rind:

  • Ist eine Rinderrasse aus Japan. (Daher der Name Wagyu, übersetzt „japanisches Rind“)
  • Ist eine Rinderrasse die bis 1868 vordergründig für den Arbeitseinsatz genutzt wurde.
  • Ist eine Rinderrasse die erst ab 1868 zur Nutzung als Fleischrind durch Züchtung optimiert wurde.
  • Wird oft irrtümlich pauschal als Koberind bezeichnet.

Grundsätzlich ist das Wagyu Rind eine japanische Rinderrasse, die traditionell selbst heute noch vordergründig in Japan gezüchtet wird. Große Besonderheit an dieser Rasse ist, dass die Bezeichnung bereits auf den Ursprung der Rasse schließen lässt. Denn die Übersetzung des Wortes Wagyu setzt sich aus dem japanischen Wort Wa für Japan und Gyu für Rind zusammen. Somit steht Wagyu für das japanische Rind. Jedoch wird diese Rinderrasse für gewöhnlich nur international als japanisches oder Wagyu Rind bezeichnet. In Japan selbst wird die Rasse zumeist als Tajima-Usi (Schwarzvieh) oder Tajima-Rind (schwarzes Rind) bezeichnet.

Das Wagyu Rind und die traditionelle japanische Rinderhaltung

Entgegen der traditionellen Viehwirtschaft in Europa, in der Rinder von je her nicht nur als Arbeitstiere und Milchlieferanten, sondern auch als Lieferanten von Fleisch dienten, war das Wagyu Rind aufgrund der vorherrschenden Lehre des Buddhismus in Japan bis zur Öffnung Japans im Jahre 1868 aufgrund gesetzlicher Vorgaben ein reines Arbeitstier. Der Verzehr von Rindfleisch war gesetzlich verboten und somit wurden die Rinder ausschließlich zum Zwecke der Milchproduktion oder aber als Arbeitstier gehalten.

Rinderrassen wie das in Japan Schwarzvieh genannte japanische Rind waren somit für unzählige Generationen von japanischen Landwirten ausschließlich Arbeitstiere. Da die Arbeit der Landwirte beschwerlich war und starke und belastbare Rinderrassen für die schwere Arbeit auf den Feldern bevorzugt wurde, wurde das japanische Rind nach und nach zu der wichtigsten Rinderrasse Japans. Denn das japanische Rind ist belastbar, genügsam und zugleich im Wesen ruhiger als andere in Japan verfügbare Rinderrassen. Zudem bestand aufgrund der rassetypischen Eigenschaften dieser Rinderrasse, über lange Zeit hinweg kaum ein Bedarf die Rasse an sich durch Züchtung oder Kreuzung mit anderen Rinderrassen zu optimieren. Dies führte dazu, dass das japanische Rind eine der am längsten indigenen Rinderrassen der Welt blieb und erst nach der politischen Öffnung Japans ein Wandel in der Rinderhaltung Japans erfolgte.

Erst mit der politischen Öffnung Japans und dem damit in Verbindung stehenden internationalen Einfluss auf die japanische Landwirtschaft begann der Wandel dieser besonderen und für Japan traditionellen Rinderrasse. Zunächst wurde das Wagyu Rind vom vormals ausschließlichen Arbeitstier zum Fleischlieferanten. Schnell offenbarte sich, dass das bis zu diesem Zeitpunkt indigene Wagyu Rind hierfür jedoch nicht die optimalen Eigenschaften vorwies und so wurden erstmalig Kreuzungen mit anderen Rinderrassen vorgenommen. Aus zahlreichen Kreuzungsversuchen mit unterschiedlichsten Rinderrassen entstanden schließlich im Laufe der Zeit die heutzutage bekanntesten und vorherrschenden Wagyu Rassen, die aufgrund ihrer Besonderheiten hinsichtlich Fleischertrag und Zuchterfolge als optimale Grundlage für die zunächst japanische und erst später internationale Viehwirtschaft herangezogen werden konnte.

Die drei bekanntesten Wagyu Rassen im Überblick

In der heutigen Zeit verfügt die Wagyu Rasse aufgrund der zahlreichen Kreuzungen mit anderen Rinderrassen über eine Vielzahl mehr oder weniger bedeutungsvoller Unterarten, die grundsätzlich drei bekannte und für die Landwirtschaft bedeutungsvolle Unterrassen hervorbrachte. Diese sind:

  • Das japanese Black (Kuroge Wagyu)
  • Das japanese Shorthorn (Tankaku Wagyu)
  • Das japanese Brown (Akage Wagyu)

Allem voran das Akage Wagyu oder auch japanese Brown wurde hierbei zur vorherrschenden Unterart des japanische Rind und gilt seit vielen Jahren als den Markt dominierend. Vordergründig in Japan gezüchtet und eingesetzt war es auch diese Unterart des japanischen Rindes, das mit dem beginnenden Export von Rindern, Jungtieren und Sperma zur Zucht nach Europa und Amerika kam und seither auch in diesen Teilen der Welt den größten Anteil an gehaltenen Wagyu Rindern ausmacht.

Wagyu oder Kobe Rind? Welche Bezeichnung ist wann zutreffend?

Koberind

Als Kobe Rind dürfen nur jene Rinder bezeichnet werden, die aus der Region Kobe stammen.
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Mit der Öffnung Japans für internationale Handelsbeziehung und der Etablierung der japanischen Rinder in der japanischen Viehwirtschaft wuchs nach und nach auch die internationale Bekanntheit dieser Rinderrasse. Spätestens mit dem Export des Fleisches der Rinder aus der japanischen Region Kobe ins Ausland erlangte das Fleisch der japanischen Rinder aufgrund seiner artspezifischen Besonderheit hinsichtlich der nicht punktuellen, sondern gleichmäßigen feinen Marmorierung des Fettes im Fleisch weltweite Bekanntheit. Kobe Fleisch galt von diesem Zeitpunkt an als das beste und hochwertigste Rindfleisch mit der feinsten Marmorierung des Fettes im Muskelfleisch und wurde aufgrund dieser Besonderheit schnell zu einem begehrten Luxusprodukt überall in der Welt.

Die Bezeichnung Wagyu Rind bezieht sich auf:

  • Die Rinderrasse Wagyu Rind an sich.
  • Auf alle Unterarten der Rinderrasse .
  • Auf Rinder dieser Rasse unabhängig von regionalen Einflüssen.

Es war eben diese enorme Bekanntheit des Wagyu Fleisches aus der Region Kobe, die letztlich zu einem der größten Missverständnisse hinsichtlich der Wagyu Rinder führte. Denn seither assoziieren viele Konsumenten das Fleisch der Wagyu Rinder mit dem Begriff Kobefleisch. Die Bezeichnung Kobe Rind ist jedoch nur dann zulässig, wenn die Rinder aus der japanischen Region Kobe stammen. Kobe Fleisch ist somit vergleich mit Champagner oder dem weltbekannten Nürnberger Lebkuchen. Die Bezeichnung ist nur dann zulässig, wenn da Produkt aus der entsprechenden Region stammt.
Die Bezeichnung Kobe Rind bezieht sich:

  • Ausnahmslos auf Rinder die der Wagyu Rasse zugehörig sind und aus der japanischen Region Kobe stammen.

Die Unterschiede zwischen Wagyu Rindern und sogenannten Kobe Rindern findet sich somit ausschließlich an den regionalen Besonderheiten der Haltung des Rindes. Kobe Rinder sind ausnahmslos Wagyu Rinder, die in der japanischen Region Kobe gehalten werden, wobei die Unterart der Rasse keinen Einfluss auf die Produktbezeichnung nimmt. Rinder die abseits der japanischen Region Kobe gehalten werden, werden ausnahmslos als Wagyu Rinder bezeichnet und muss somit auch das von diesen Tieren gewonnene Fleisch als Wagyu Fleisch bezeichnet werden. Die Bezeichnung Kobe Fleisch ist somit eine rechtlich geschützte Produktbezeichnung, die unmissverständlich und rechtlich geschützt einen Hinweis auf die Produktionsregion bietet.

Wagyu Rinder in Österreich und Europa

Wagyu Rinder in Österreich

Das Wagyu Rind ist noch ein Exot unter den Rindern in Österreich.
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Über lange Zeit hinweg, war der Konsum von Wagyu Fleisch in Europa nur durch den Import des Fleisches aus Japan möglich. Denn der Import von Jungtieren oder aber Samen für die Befruchtung Vorort ist erst seit Juli 2014 möglich. Erst zu diesem Zeitpunkt war der Export von Wagyu Rindern, Embryonen und Samen aus Japan nach Europa möglich.

Das japanische Rind:

  • Ist erst seit Juli 2014 teil der europäischen Rinderhaltung.
  • Erfreut sich einer enormen Nachfrage allem voran im Biobereich.
  • Wird in Europa häufig mit traditionellen Rinderarten gekreuzt.

Seither erlebt die europäische Rinderzucht einen vom Konsumenten geförderten Boom hinsichtlich der Haltung von Wagyu Rindern oder aber neuen Kreuzungen zwischen traditionell europäischen Rindern und der Wagyu Rasse. Zwar ist das Wagyu Rind in Europa nach wie vor ein Exot unter den gehaltenen Rinderrassen, jedoch zeigt sich eine beständig anwachsende Anzahl an gehaltenen Rindern dieser Rasse. Mehr und mehr Landwirte entscheiden sich diese Rinderrasse für die Milchgewinnung oder aber die Fleischgewinnung zu züchten und so gilt das Wagyu Rind als neuer Trend im Bereich der Rinderzucht in Österreich wie auch vielen anderen Ländern Europas. Allem voran die Haltung im Bio Betrieb erlebt hierbei einen spürbaren Trend, ist doch das Fleisch der Wagyu Rinderrasse überaus schmackhaft und zart und der Bedarf an hochwertigem BIO Rindfleisch seit Jahren im beständigen Steigen begriffen.

Experten zufolge kann davon ausgegangen werden, dass das japanische Rind in den kommenden Jahren mehr und mehr Einfluss auf die europäische Viehhaltung nehmen wird. Allem voran die große Nachfrage im Lebensmittelbereich aber auch die rassespezifischen Eigenschaften dürften dazu führen, dass schon in wenigen Jahrzehnten das Wagyu Rind fester Bestandteil der europäischen Rinderzucht und Haltung sein wird. Diese These wird schon heute von der spürbaren Nachfrage nach Jungtieren und Embryonen bestätigt, weswegen das japanische Rind wohl schon sehr bald nicht mehr zu den Exoten der europäischen Rinderhaltung gezählt werden wird.

Weitere Informationen:

Kobe (Wagyu) Rind – eine traditionell japanische Rinderart im Fokus der europäischen Rinderzucht
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