Warmblüter (Pferd) – der Sportler unter den Pferderassen

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Warmblut Dressur
Warmblut bezeichnet den Oberbegriff, unter dem die modernen Sportpferderassen zusammengefasst sind. Auch wenn sie natürlich in jedem Bereich eingesetzt werden können, liegt ihre besondere Begabung im Sport, je nach Veranlagung im Spring- oder Dressursport. Entstanden sind die heutigen Warmblut-Rassen durch die Veredelung von Kaltblütern mit Vollblütern. Die Zucht ist regional organisiert und weist teilweise große Unterschiede auf.

Allgemeines über Warmblüter

Die Bezeichnung „Warmblut“ hat natürlich nichts mit der Körpertemperatur zu tun, sondern spiegelt das Temperament wider. Es liegt dabei zwischen dem eher behäbigen Kaltblut und dem nervigen, reaktiven Vollblüter. Die Wurzeln der Warmblutzucht reichen ins 18. Jahrhundert zurück. Davor standen die Pferde überwiegend im Kaltblut- oder Ponytyp und wurden für Arbeiten wie Pflügen, Bäume rücken, Kutsche ziehen eingesetzt. Ab dem 19. Jahrhundert kreuzte man spanische und arabische Pferde ein, um ein leichteres und wendigeres Pferd zu erhalten, das eleganter wirkte und somit besser für militärische und repräsentative Zwecke geeignet war. Aus diesen Anpaarungen entstanden verschiedene neue Rassen, unter anderem das Englische Vollblut, das heute überwiegend zur Veredelung bestehender Rassen eingesetzt wird.

Grundlagen der Warmblut-Zucht

Die Warmblut-Zucht teilt sich in verschiedene Zuchtgebiete auf, die regional organisiert sind. Auch wenn die Zuchtziele teilweise ziemlich abweichen ist bei den meisten Zuchtverbänden das Stutbuch offen, was bedeutet, dass auch Pferde aufgenommen werden dürfen, deren Eltern nicht eingetragen sind. Voraussetzung ist, dass die Pferde das Zuchtziel erfüllen und dass beide Elterntiere gültige Abstammungspapiere besitzen. Das hat den Vorteil, dass andere Rassen gezielt eingekreuzt werden können, um bestimmte Merkmale zu verbessern.

Das Deutsche Reitpferd

Unter diesem Oberbegriff werden bestimmte Warmblutpferde zusammengefasst, die in Deutschland gezüchtet wurden. Die Zuchtverbände der Länder bemühen sich verstärkt darum, einheitliche Standards für die Warmblutzucht zu schaffen. Das Deutsche Reitpferd weist folgende Merkmale auf:
  • Ursprung und Hauptzuchtgebiet: Deutschland
  • Verbreitung: weltweit
  • Stockmaß (Größe gemessen vom Boden bis zum Widerrist = Übergang vom Hals zum Rücken): 158 – 170 cm
  • Farben: alle

Die folgenden Rassen zählen zum Deutschen Reitpferd.

Warmblüter auf der Koppel
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Bayerisches Warmblut

Eine alte deutsche Pferderasse, die sich aus Kaltblütern entwickelte, die wirtschaftlichen Zwecken diente. Durch das Einkreuzen von Warmbluthengsten wie zum Beispiel Oldenburgern versuchte man, einen leichteren Pferdetyp zu etablieren, der sich sowohl als Wirtschaftspferd als auch für militärische Zwecke eignete. Doch dieses zwar kräftige, aber nicht schwere Pferd wurde bis zum Zweiten Weltkrieg nur in Rottal als Wirtschaftspferd eingesetzt und hieß deswegen Rottaler Pferd. Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich das Zuchtziel und wurde neu auf den Verwendungszweck eines Sportpferdes ausgerichtet. Dabei wurde vor allem durch das Einkreuzen der zur Veredlung gedachten Vollblüter und Trakehner das im schweren Warmblut stehende Rottaler Pferd radikal durch ein leichteres Sportpferd ersetzt. Heute wird die Rasse in Bayern und England gezüchtet, die Verbreitung ist eher gering. Das Bayerische Warmblut wird neben seiner Eignung als Sport- und Reitpferd auch heute noch als Arbeitspferd eingesetzt.

Hannoveraner

Die Hannoveraner-Zucht geht bis ins 16. Jahrhundert zurück und ist somit eine der ältesten deutschen Pferderassen überhaupt. Der ursprüngliche Verwendungszweck war einerseits die Landwirtschaft, andererseits das Militär. Die moderne Zucht des Hannoveraners wurde mit dem Landgestüt Celle begründet, das am 27. Juli 1735 ins Leben gerufen wurde. Heute zählt der Hannoveraner zu den zahlenmäßig am stärksten vertretenen Warmblutzuchten weltweit und stellt die erfolgreichsten Pferde in den Sportarten Springen, Dressur sowie Vielseitigkeit. Berühmte Hannoveraner:
Name Olympiasieger Weltmeister
Draufgänger (von Aldech/Nordgraf) 1928 Einzel- und Mannschaftsgold Dressur bei den Olympischen Spielen in Amsterdam mit Carl Friedrich Freiherr von Langen
Ratina Z (von Ramiro/Alme Z) 1992 Mannschaftsgold Springen bei den Olympischen Spielen in Barcelona mit Piet Raijmakers Weltmeister 1994 Springen in Den Haag mit Ludger Beerbaum
Gigolo FRH (von Graditz/Busoni) 1996 Einzel- und Mannschaftsgold Dressur mit Isabell Werth Weltmeister 1998 Dressur in Rom mit Isabell Werth
Verdener Auktion
Berühmtheit erlangt haben die Verdener Auktionen, die seit 1949 vom Hannoveraner Zuchtverband veranstaltet werden. Über das Jahr verteilt finden insgesamt sechs Auktionen Reitpferde, eine für Stuten und Fohlen und eine Hengstkörung mit Hengstmarkt statt. Höhepunkte sind die Elite-Fohlen und Zuchtstutenauktion im August und die Elite-Auktion Mitte Oktober sowie die Hengstkörung. Bei der Hengstkörung werden aus 200 zweijährigen Elite-Hengsten, die sich zuvor bundesweit qualifizieren mussten, auf ihre Zuchttauglichkeit geprüft und viele davon anschließend versteigert. 2011 konnte ein dreijähriger Hengst bei der Eliteauktion im Herbst das Spitzengebot von 900.000 EUR erzielen.
Springpferd
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Holsteiner

Auch der Holsteiner kann auf frühe Wurzeln zurückblicken, so lassen sich erste Züchtungen bis ins 14. Jahrhundert zu dem Kloster von Uetersen zurückverfolgen. Auch er hat sich im Laufe der Zeit durch die Veredelung überwiegend mit Englischen Vollblütern vom Arbeits- zum Sportpferd entwickelt. Der Holsteiner stellt besonders erfolgreiche Vertreter im Spring- und Vielseitigkeitssport. Obwohl auch er weltweit verbreitet ist, kann er zahlenmäßig nicht mit dem Hannoveraner mithalten.

Mecklenburger Warmblut

1812 im Gestüt Redefin gegründet, war die Zucht ursprünglich für Arbeitspferde gedacht. Als man Mitte des 19. Jahrhunderts den Typ vom Schweren Warmblut durch das Einkreuzen englischer Vollbluthengste in einen sportlicheren Typ ändern wollte, schoss man über das Ziel hinaus. Das versuchte man mit dem Einsatz von Kaltbluthengsten zu korrigieren, was oft nicht gelang. Erst durch den Zuchteinsatz von Hannoveraner-Warmblütern und dem gezielten Veredeln mit Vollblütern und Trakehnern erhielt man eine konsolidierte Zuchtbasis, die bis heute Bestand hat. Nach 1945 veränderte sich die Zucht, in der damaligen DDR wurde aus dem Mecklenburger Warmblut das „Edle Warmblut der DDR“ als eigene Rasse geschaffen. Erst nach 1990 wurde diese Rasse wieder aufgelöst und die heutigen Zuchtverbände gegründet, die wieder die ursprüngliche Warmblutrasse als Zuchtziel festlegten. Die Verbreitung des Mecklenburger Warmbluts ist eher gering. Mit einer Größe von 1,50 Meter bis 1,70 Meter zählt es zu den eher kleineren Warmblutrassen. Die Stärke liegt vor allem im Spring- und Fahrsport. Es gibt aber auch in der Dressur erfolgreiche Vertreter.

Oldenburger

Die Zucht reicht ins 17. Jahrhundert zurück, wo mit der Rasse Alt-Oldenburger der Fokus auf einem kräftigen und trotzdem eleganten Kutschpferd lag. Erst in der jüngeren Geschichte wurde seit den 1950er Jahren durch Einkreuzen von Vollblütern, Hannoveranern und Holsteinern ein edler Sportpferdetyp entwickelt, der internationale Erfolge verzeichnen kann. 2001 spaltete sich der Bereich Springpferdezucht ab und bildete einen eigenen Verband, den Springpferdezuchtverband Oldenburg-International e. V. Er arbeitet aber bis heute mit dem Verband der Züchter des Oldenburger Pferdes unter dem Dachverband „Oldenburger Pferdezuchtverband e. V.“ zusammen. Neben dem Sport wird der Oldenburger auch als Kutschpferd eingesetzt. Er ist vor allem in Deutschland verbreitet und zählt mit einem Stockmaß von bis zu 1,79 Metern zu den größeren Warmblutrassen. Vierspänner
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Rheinisches Warmblut

Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Rheinland das Hauptzuchtgebiet für die Kaltblutrasse „Rheinisch-Deutsches Kaltblut“. Erst danach gründete man eine eigene Warmblutzucht, die vor allem mit Westfalen, Hannoveranern und Trakehner aufgebaut wurde. Bis heute kommen auch Holsteiner und Vollblüter für die Zucht zum Einsatz. Das Rheinische Warmblut ist nicht sehr weit verbreitet und findet seinen Einsatz als vielseitiges Reitpferd.

Westfale

Der Westfale steht im Typ dem Hannoveraner sehr nahe, der die Zucht stark beeinflusst hat. Da zur Veredelung aber weniger Vollblüter eingesetzt wurden als beim Hannoveraner ist der Westfale etwas gröber. Ursprünglich lag der Fokus auf Arbeits- und Kutschpferden, was sich nach Ende des Zweiten Weltkrieges änderte. Die zunehmende Motorisierung machte den Einsatz von Arbeitspferden weitgehend überflüssig und so entwickelte man die Rasse mit Hannoveranern, Holsteinern und Trakehnern zu einem Reit- und Sportpferd weiter. Der Westfale ist aufgrund seines ruhigen Charakters und seiner Zuverlässigkeit ein beliebtes Freizeitpferd, das auch im Sport eingesetzt werden kann. Er ist in Deutschland relativ weit verbreitet.

Senner Pferd

Das Senner Pferd ist eine der ältesten Pferderassen Deutschlands überhaupt. Die erste urkundliche Erwähnung fand im Jahr 1160 statt. Ende des 18. Jahrhunderts wurden Anglo-Araber eingekreuzt, die den Typ des Senner Pferdes bis heute prägen. So handelt es sich um ein temperamentvolles, elegantes Pferd, das im leichten Typ steht und mit einem Stockmaß von 1,59 Meter bis 1,65 Meter eher klein ist. Seine Verbreitung heute ist so gering, dass es in der Roten Liste zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen als extrem gefährdet geführt wird. Sein Einsatzgebiet ist vor allem der Vielseitigkeits- und Springsport.

Trakehner

Der Trakehner ist laut Trakehner-Verband die älteste Pferderasse Deutschlands. Er wird als edles Warmblut bezeichnet, da er reinblütig gezüchtet wird, das bedeutet dass außer dem Trakehner selbst nur bestimmte Veredler-Rassen für die Zucht verwendet werden dürfen. Die Wurzeln sind im Hauptgestüt Trakehnen im ehemaligen Ostpreußen begründet und reichen bis in die Zeit des Deutschritterordens ins 13. Jahrhundert zurück. Gelegentlich findet man auch die Bezeichnung Ostpreußisches Warmblut, was die gleiche Rasse bezeichnet, aber ein Pferd das nicht im Hauptgestüt geboren wurde. Der Trakehner steht hoch im Blut und gilt mitunter als schwierig. Er ist weltweit verbreitet, ein eher mittelgroßes Pferd und findet vor allem als Vielseitigkeitspferd und Veredler Verwendung.

Württemberger Warmblut

Die ursprüngliche Zuchtform hieß Altwürttemberger und bezeichnete ein Warmblut im schweren Typ. Der Ursprung dieser Zucht liegt im Jahr 1895 und das Zuchtziel war ein schweres Arbeitspferd, das auch als Reitpferd geeignet sein sollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg orientierte sich die Zucht hin zu einem leichteren Sportpferd, dessen Urvater ein Trakehner namens Julmond war. Vereinzelt findet man noch Liebhaber der Altwürttemberger und Bestrebungen, die Rasse zu erhalten. Trotzdem ist sie vom Aussterben bedroht. Die Verbreitung des Württemberger Warmbluts ist eher gering, er wird überwiegend im Fahrsport und teilweise als Arbeitspferd eingesetzt.

Das Deutsche Sportpferd

Unter dem Begriff Deutsches Sportpferd werden seit 2003 die Warmblutrassen der Zuchtverbände Berlin-Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen zusammengefasst. Die Merkmale dieser noch sehr jungen Rasse sind zum großen Teil mit denen der Ursprungsrassen identisch.

Vorgeschichte

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Pferdebestand in der DDR durch die Überführung vieler Pferde in die Sowjetunion stark gesunken. Außerdem wurden Arbeitspferde zunehmend durch Maschinen ersetzt. Um dem entgegenzuwirken wurde 1970 die Zentralstelle für Pferdezucht eingerichtet, die alle bis dahin bestehenden Rassen in der Rasse Edles Warmblut der DDR aufgehen ließen. Erst nach der Wende etablierten sich Zuchtverbände, die die ursprünglichen Rassen wieder aufleben ließen.

Ziel

Der Zusammenschluss der Pferdebestände und die Schaffung eines gemeinsamen Zuchtbuches sollte die Vermarktung der Pferde erleichtern. Dazu wurde eine Körung mit anschließender Auktion des Deutschen Sportpferdes ins Leben gerufen und der Einsatz der Deckhengste zentralisiert. Dressurpferd
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Wichtige Daten

Das Deutsche Sportpferd steht eher im modernen, leichten Typ bei mittlerer Größe. Es sollte für alle Sparten des Reitsports sowie als Freizeitpferd geeignet sein, die Betonung liegt jedoch auf der Springbegabung. Ursprung, Zuchtgebiet und Verbreitung sind in allen drei Fällen Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

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